{"id":1527,"date":"2024-02-22T09:57:33","date_gmt":"2024-02-22T09:57:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/?page_id=1527"},"modified":"2024-02-22T11:09:47","modified_gmt":"2024-02-22T11:09:47","slug":"chronik-des-verein","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/?page_id=1527","title":{"rendered":"Chronik des Verein"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Erstellt von Wilhelm M\u00fcller, bis zu seiner Pensionierung Studiendirektor am Hohenstaufen Gymnasium Kaiserslautern, geboren am 12.01.1926, gestorben am 14.06.1998, Vereinsmitglied seit dem 08.04.1969<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Im \u00dcbrigen Vorg\u00e4nger von Helmut H\u00fcrter als Leiter der Schach-AG am Hohenstaufen Gymnasium, wo beide kurzzeitig gemeinsam Lehrer waren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Aus der Chronik des SK Kaiserslautern 1905<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"646\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_01_2024-02-22-11_19_32-2024-02-21_104613-646x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1532\" style=\"width:838px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_01_2024-02-22-11_19_32-2024-02-21_104613-646x1024.jpg 646w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_01_2024-02-22-11_19_32-2024-02-21_104613-189x300.jpg 189w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_01_2024-02-22-11_19_32-2024-02-21_104613-95x150.jpg 95w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_01_2024-02-22-11_19_32-2024-02-21_104613.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 646px) 100vw, 646px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1905 &#8211; der genaue Tag ist nicht bekannt &#8211; wurde im Lokal Trompeter in der Riesenstra\u00dfe der Schachklub Kaiserslautern aus der Taufe gehoben. Ma\u00dfgeblich an der Vereinsgr\u00fcndung beteiligt war ein Mann, der in der Gr\u00fcndungsversammlung zum 1. Vorsitzenden gew\u00e4hlt wurde: <strong>Karl Eckart<\/strong>. Es steht unserem Klub im Jahr seines 75j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums wohl an, dieses hervorragenden Menschen und Schachspielers in Stolz und Dankbarkeit zu gedenken. Nicht besser kann es geschehen als mit den Worten, die sein t\u00e4glicher Schachpartner, Sch\u00fcler und Freund <strong>Dr. Gleich<\/strong> ihm bei seinem Tod am 12. Dezember 1932 nachrief: <em>Die Kaiserslauterer und die Pf\u00e4lzische Schachgemeinde hat einen schweren Verlust zu beklagen. Landesbaurat Karl Eckart, der langj\u00e4hrige Direktor am Eisenwerk Kaiserslautern und Leiter der Br\u00fcckenbauabteilung ist gestorben. Am 7. Mai 1866 als Sohn eines Landwirts in Langenzenn bei N\u00fcrnberg geboren, trat er in jungen Jahren als Student der Technischen Hochschule in M\u00fcnchen in den Kreis der Verehrer unseres k\u00f6niglichen Spiels, dem er sein ganzes arbeitsreiches Leben lang mit gro\u00dfer Liebe anhing. Er brachte es bald zu einer ansehnlichen Spielst\u00e4rke und ma\u00df gelegentlich in Turnieren seine Kr\u00e4fte. In seiner Heimat in N\u00fcrnberg wurde Dr. Tarrasch sein Lehrmeister. Er hatte hier Gelegenheit, die gro\u00dfen internationalen Meisterturniere von 1883 und 1891 zu beobachten. Als er mit dem Beginn des Jahres 1900 nach Kaiserslautern kam, wurde hier das Schachspiel nur in kleinem Kreise gepflegt. Es ist nicht zuletzt seinem Einfluss zu verdanken, dass das Schachleben im Laufe der Jahre einen starken Aufschwung nahm. Er geh\u00f6rte zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern des Schachklubs Kaiserslautern, der ihn anl\u00e4sslich seines 25j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums im Jahre 1930 zu seinem Ehrenmitglied ernannte. Auch der Pf\u00e4lzische Schachbund erkannte seine Verdienste um das pf\u00e4lzische Schach durch Verleihung der Ehrenmit-gliedschaft an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>F\u00fcr Karl Eckart war das Schach eine geistreiche Liebhaberei, eine Gem\u00fct und Verstand befriedigende Ausf\u00fcllung freier Stunden, eine Bereicherung des Lebensinhalts. Das ist gewiss nicht wenig, aber mehr war es ihm nicht. Es war ihm insbesondere kein Bet\u00e4tigungsfeld ehrgeizigen Strebens, keine Leidenschaft, die ihn von seiner Berufsarbeit h\u00e4tte ablenken k\u00f6nnen. Wenn er in den Turnieren des Schachklubs Kaiserslauterns mitspielte, \u2013 er fehlte nie wenn er Zeit hatte \u2013 sah er nur selten einmal auf die Tabelle. Ihn k\u00fcmmerte es wenig, ob er Erster wurde, was sehr oft der Fall war,&nbsp; oder nicht; ihn fesselte nur die eben in Gang befindliche Partie und die Probleme ihrer Stellung. Er w\u00e4gte die M\u00f6glichkeiten sorgf\u00e4ltig ab, ehe er sich entschied, und spielte gegen starke und schwache Gegner mit der gleichen Sicherheit. So war er nur sehr schwer zu schlagen. In den zahlreichen ausw\u00e4rtigen Wettk\u00e4mpfen, an denen er teilnahm, hatte er lange Jahre hindurch keine Partie verloren. Seine Spielweise war durch Tarrasch stark beeinflusst, obwohl er die Bedeutung dogmatischer Lehrs\u00e4tze nicht \u00fcbersch\u00e4tzte. Das Positionsspiel, die Herausarbeitung und Ausnutzung kleiner Stellungsvorteile war seine St\u00e4rke. Aus der alten Schule hervorgegangen, \u2013 er bevorzugte die Spanische Er\u00f6ffnung \u2013 hatte er dem Ansturm der Jungen, die vielfach ihre Kr\u00e4fte im Kampf mit ihm entwickelten, bis zuletzt Stand gehalten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Nun ist er von uns gegangen, nicht nur der treue Freund und stille G\u00f6nner des Schachs, sondern auch der lautere und g\u00fctige Mensch, dessen schlichte Art und vornehmer Charakter jedem, der mit ihm in Ber\u00fchrung trat, Wertsch\u00e4tzung und Vertrauen abn\u00f6tigten. Die inhaltsreiche Schachpartie seines Lebens hat einen tragischen Ausgang genommen. Er hatte nicht mehr die Kraft, einem \u201eSchach!\u201c, das ihm das Schicksal an seinem Lebensabend zurief, zu begegnen. Er gab die Partie nicht auf. \u201eIch k\u00e4mpfe verzweifelt um meine Gesundheit\u201c, so schrieb er im vergangenen Sommer aus Bad Kissingen, wo er Heilung suchte. Doch war seine Widerstandskraft wohl schon gebrochen, das Spiel bereits verloren, das der Tod mit seinem unerbittlichen Matt nun beendet hat. Aber im Ged\u00e4chtnis seiner Schachfreunde und in der Schachgeschichte Kaiserslauterns und der Pfalz ist ihm ein dauernder Ehrenplatz gewiss.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe diesen Nachruf, dieses Dokument der Freundschaft, in fast voller L\u00e4nge abgedruckt, weil es zeigt, was Schach auch sein kann und sein sollte: eine M\u00f6glichkeit menschlicher Begegnung und Selbsterfahrung. Die Geschichte jeder Gemeinschaft ist letztlich immer die Geschichte der einzelnen Menschen, die ihr angeh\u00f6ren, die sie formen und von ihr geformt werden. Ein Jubil\u00e4um ist, auch in unserer geschichtsm\u00fcden Zeit, freilich oft nur eine wohlfeile Gelegenheit, eine gl\u00e4nzende Vergangenheit prahlend vorzuzeigen, doch sollte das der Sinn von Jubil\u00e4en eigentlich nicht sein. Vergangenheit ist nicht so sehr Schmuck als Fundament. Der gro\u00dfe Schweizer Arch\u00e4ologe und Mythenforscher Bachofen (1815 \u2013 1887) berichtet von einem antiken Orakelspruch, der den Megarern gegeben wurde. Als dieser Volksstamm die K\u00f6nigsherrschaft gest\u00fcrzt hatte, lies er in Delphi fragen, was nun zu tun sei, um das Gl\u00fcck des Landes zu begr\u00fcnden. Die Antwort war: Mit der Mehrheit sollten sie sich beraten. In richtiger Auslegung des Wortes wurde hierauf den Toten mitten im Rathaus eine Gedenkst\u00e4tte errichtet. \u201eDas ist ein Stimmenmehr\u201c, setzt Bachofen hinzu, \u201ewie es der heutigen Demokratie wohl nicht gefiele. Und doch ist mit den Toten zu Rate zu gehen die sicherste B\u00fcrgschaft der Volkswohlfahrt.\u201c Wenn er von den Toten ihrer \u201eschweigenden Mehrheit\u201c spricht, dann meint er damit in sehr ernster Weise, was man auch Tradition nennt. Die Toten sollten Partner der Lebenden bleiben; in den Bildern der Vergangenheit k\u00f6nnen wir uns selbst und unsere Situation oft wiedererkennen (vgl. dazu Kaltenbrunner, Trib\u00fcne der Zeit, Heft 11\/1976, S. 45ff).<\/p>\n\n\n\n<p>Unter 21 weiteren noch namentlich bekannten Mitgliedern der ersten Stunde befindet sich auch der Rechtsanwalt <strong>Dr. Ernst Krieger<\/strong>, den Problemfreunden unter dem Pseudonym P. A. <strong>Orlimont<\/strong> bekannt als erfolgreicher Problemkomponist, Entdecker des sog. parakritischen\u00a0 Systems und dreier genau definierter Problemthemata. Die \u00fcbrigen Namen auszuf\u00fchren w\u00fcrde den Rahmen sprengen, wenngleich es reizen k\u00f6nnte, denn es leben wohl noch Schachfreunde, die aufgrund pers\u00f6nlicher Bekanntschaft oder m\u00fcndlicher \u00dcberlieferung ein farbiges Bild von blo\u00dfen Namen zeichnen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Spielmaterial des jungen Vereins wurde, wie der Chronist berichtet, \u201ebilligst im hiesigen Zuchthaus durch gefangene Drechsler und Schreiner hergestellt\u201c. Sicher war das deshalb m\u00f6glich, weil ein Mitglied Aufseher, ein anderes Lehrer am Gef\u00e4ngnis war.<\/p>\n\n\n\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig wurden nun Turniere durchgef\u00fchrt. Zwischendurch gab der spielstarke <strong>Herr Eckart<\/strong> Simultanvorstellungen, bei denen er meist alle 10 bis 12 Partien gewann, oder er leitete zusammen mit einem Prof. Degel hin und wieder einen Unterrichtsabend. Nach theoretischen Ausf\u00fchrungen wurde dann die vorgestellte Er\u00f6ffnung gleich in Simultanpartien ausprobiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Spiellokale wechselten; auf dem \u201e<strong>Trompeter<\/strong>\u201c folgte die \u201e<strong>Wei\u00dfe Laterne<\/strong>\u201c, dann der \u201e<strong>Karlsberg<\/strong>\u201c und zuletzt das <strong>Caf\u00e9 K\u00e4fer<\/strong>, wo im Jahre 1910 der Verein sich aufl\u00f6ste. Als Gr\u00fcnde f\u00fcr die Aufl\u00f6sung nennt die Chronik die schlechte Beteilung an den Klubabenden sowie den Wegzug eifriger Mitglieder. Sicher hat auch das Missvergn\u00fcgen mancher Damen an dem zeitaufw\u00e4ndigen Schachvergn\u00fcgen der Herren eine Rolle gespielt. Doch die Unentwegten trafen sich nach der Aufl\u00f6sung weiterhin. Zu ihnen stie\u00df im August 1911 ein Herr <strong>Benno Kohlmann<\/strong>, der bei seinen neuen Schachfreunden bald den Ansto\u00df gab, den Klub aufs Neue zu gr\u00fcnden. Am 3. November 1912, einem Samstag, war es soweit; der Schachklub erstand zum zweiten Male; Vorsitzender wurde besagter Herr Kohlmann. Spiellokal war wieder das Caf\u00e9 K\u00e4fer, das sich gewisserma\u00dfen zum \u201eCaf\u00e9 de la R\u00e9gence\u201c in Kaiserslautern entwickelt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Mai 1913 gab der Schachmeister <strong>Gudehus <\/strong>aus Mannheim eine Simultanvorstellung, im gleichen Monat des folgenden Jahres der Wiener <strong>Meister Albin<\/strong> (Albins Gegengambit). Sie er\u00f6ffneten damit den Reigen der Meister und Gro\u00dfmeister, die von nun an in sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit in Kaiserslautern ihre Visitenkarte abgaben: <strong>Mieses, S\u00e4misch, Weltmeister Dr. Lasker, Bogoljubow, Reti, Frhr. V. Holzhausen, Spielmann, Aljechin, Ahues, Brinkmann, Eliskases, Lothar Schmid, Euwe<\/strong>, manche von ihnen mehrmals, wie z. B. <strong>Bogoljubow<\/strong>, der hier nicht weniger als f\u00fcnf Gastspiele gab.<\/p>\n\n\n\n<p>1913 trat der Verein auch dem Bayerischen Schachbund bei und beschickte den 1. Bayerischen Schachkongress in Bad Kissingen mit den Herren <strong>Rebmann <\/strong>und <strong>Kohlmann<\/strong>. Kohlmann war lange Zeit Anw\u00e4rter auf den 1. Preis im Nebenturnier, musste aber schlie\u00dflich mit einem geteilten \u00a03. \u2013 5. Platz vorliebnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch den Damen wurde nun hin und wieder etwas geboten. So gab sich z.B. der Klub am 14. November 1913 \u201ehiermit die Ehre\u201c, Mitglieder und G\u00e4ste \u201enebst w. Angeh\u00f6rigen zu seinem&#8230; im oberen Fests\u00e4lchen des Caf\u00e9s K\u00e4fer stattfindenden 1. Stiftungsfest ergebenst einzuladen\u201c. Zwischen 7 und 9 Uhr abends gab es eine Tombola sowie ein umfangreiches kulturelles Rahmenprogramm, anschlie\u00dfend Tanz. Die gedruckte Einladung mit der Vortragsfolge ist erhalten. \u2013 Der Schachklub hatte sich unter der Leitung Benno Kohlmanns nun auch einen festen und geachteten Platz im gesellschaftlichen Leben der Stadt errungen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"664\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_02_2024-02-22-11_21_14-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-664x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1533\" style=\"width:833px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_02_2024-02-22-11_21_14-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-664x1024.jpg 664w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_02_2024-02-22-11_21_14-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-195x300.jpg 195w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_02_2024-02-22-11_21_14-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-97x150.jpg 97w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_02_2024-02-22-11_21_14-2024-02-21_104613-PDF24-Reader.jpg 709w\" sizes=\"auto, (max-width: 664px) 100vw, 664px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Schon am 14. Mai des folgenden Jahres folgte eine \u00e4hnliche Veranstaltung, und alles deutete auf eine stetige Aufw\u00e4rtsentwicklung des Vereins, als der Ausbruch des ersten Weltkriegs die sch\u00f6nen Hoffnungen im Keim erstickte. Wir erteilen hier unserem (namentlich leider unbekannten) Chronisten das Wort:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schachklub stand in h\u00f6chster Bl\u00fcte. Unser ausw\u00e4rtiges Mitglied, Herr R\u00f6mmig in Ludwigshafen, leitete in dieser Zeit das gro\u00dfe internationale Turnier in Mannheim, das schon deswegen Erw\u00e4hnung verdient, weil damals Aljechin und Bogoljubow zum ersten Mal an einem internationalen Wettkampf &nbsp;teilnahmen. Da brach der Weltkrieg aus und bereitete, wie vielem anderen, auch dem Schachleben ein j\u00e4hes Ende. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Mitglieder eilte zu den Fahnen in heller Kriegsbegeisterung. Von dem Vereinsverm\u00f6gen in H\u00f6he von 45 Mark wurden 15 Mark der Nationalstiftung f\u00fcr Kriegshinterbliebene, 30 Mark dem Roten Kreuz gespendet. W\u00e4hrend der ganzen Kriegszeit konnte kaum mehr von einem Schachklub gesprochen werden. Forderungen, die eingingen, erledigte in gro\u00dfz\u00fcgiger Weise Herr Obergeometer Rebmann, so dass, 1918 der Klub wenigstens schuldenfrei erwachen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Drau\u00dfen aber im schlecht beleuchteten Unterstand, im tiefen Sch\u00fctzengraben und auf luftiger Beobachtungsstelle erwachte das Schachspiel an stillen Tagen und in langer Nacht zu neuem Leben. In manchen Lazaretten wurden Turniere abgehalten. Auch die Urlauber gestatteten sich in der Heimat im ruhigen Schachcaf\u00e9 eine Partie mit Kameraden oder alten Herren des Klubs.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem bitteren Ende des Krieges sammelten sich die Heimkehrer allm\u00e4hlich wieder zu neuen Schachtaten; viele blieben ganz fern, sie hatten in den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren vollauf zu tun, die elementarsten Lebensbed\u00fcrfnisse zu befriedigen. Jedenfalls fand erst 1919 die erste statutenm\u00e4\u00dfige\u00a0 Generalversammlung nach dem Krieg statt, im Jahr darauf am 1. Februar die erste Simultanveranstaltung. Wieder war es der Mannheimer Gudehus, der verpflichtet wurde. Solche Simultanspiele stellten in jenen Jahren, da die Menschen noch ortsgebundener waren und der Informationsfluss noch nicht so \u00fcberbordend, einen wichtigen Bestandteil des Vereinslebens dar; sie gaben wie ein offenes Fenster den Blick frei auf eine gr\u00f6\u00dfere, weitere Schachwelt. Der Reigen der Meister \u2013 gro\u00dfe Namen waren darunter -, die sich in den n\u00e4chsten Jahren in Kaiserslautern vorstellten, rei\u00dft kaum ab. Daneben gab es zwischen den Vereinen der pf\u00e4lzischen St\u00e4dte frei vereinbarte Wettk\u00e4mpfe. So kreuzte der Schachklub Kaiserslautern des \u00d6fteren freundschaftlich die Klingen mit den Klubs aus Ludwigshafen, Pirmasens, Landstuhl, Zweibr\u00fccken, Worms. Mannschaftsmeisterschaften wie heute gab es noch nicht, der <strong>1922 ins Leben gerufenen Pf\u00e4lzische Schachkongress<\/strong> war lange das einzige offizielle Turnier, zu dem die Vereine ihre Einzelk\u00e4mpfer entsandten. Lange f\u00fchrte unser Klub allj\u00e4hrlich ein sog. Winterturnier durch, und zwar in mehreren Klassen mit Auf- und Abstieg. Der Chronist hat \u00fcber die Ergebnisse genau Buch gef\u00fchrt, und auch die Presse berichtete regelm\u00e4\u00dfig und ausf\u00fchrlich von diesen Veranstaltungen. Der Sieger durfte sich als Klubmeister f\u00fchlen. Starke Spieler traten mitunter auch in Simultank\u00e4mpfen gegen schw\u00e4chere Gegner des eigenen Klubs an, so im M\u00e4rz 1920 <strong>Sackmann, Rebmann, Eckart und Paul M\u00fcnch<\/strong>, der unvergessene Dichter der \u201ePf\u00e4lzisch Weltgeschicht\u201c. Nur Paul M\u00fcnchs Ergebnis ist \u00fcberliefert. Es \u201egelang\u201c ihm, von 12 Partien 11 zu verlieren und eine Remis zu halten. Wie mag er dabei geschmunzelt haben? Denn man muss wissen, dass er ein starker Spieler war. Schon in seinen M\u00fcnchener Studentenjahren bewies er als Mitglied des Akademischen Schachklubs beachtliche Spielst\u00e4rke. Einige von ihm damals gespielte Blindpartien geben davon Zeugnis. Auch in Kaiserslautern war er ein eifriger Schachj\u00fcnger und eine St\u00fctze des Schachklubs. Nach Tisch konnte man ihn fast t\u00e4glich im Nebenzimmer des Caf\u00e9s K\u00e4fer in Aktion sehen. Dabei muss es oft lustig zugegangen sein; es leben noch Zeugen, die seinem \u201eGesang\u201c gelauscht haben. &#8211; Neben dem Partiespiel galt seine besondere Liebe immer dem <strong>Schachproblem<\/strong>. Seine ersten Aufgaben erschienen um die Jahrhundertwende, seine letzten wenige Monate vor seinem Tod am 2. Januar 1951. Freunde des Problemschachs sollten vielleicht versuchen, seine Kompositionen zu sammeln und zu sichten, um auch diese Seite seines Schaffens der Nachwelt zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier drei Kostproben:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"773\" height=\"345\" src=\"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_03_2024-02-22-11_22_00-2024-02-21_104613-PDF24-Reader.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1535\" style=\"width:842px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_03_2024-02-22-11_22_00-2024-02-21_104613-PDF24-Reader.jpg 773w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_03_2024-02-22-11_22_00-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-300x134.jpg 300w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_03_2024-02-22-11_22_00-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-768x343.jpg 768w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_03_2024-02-22-11_22_00-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-150x67.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 773px) 100vw, 773px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>1926 sieht Kaiserslautern ein gro\u00dfes Schachereignis: Vom 7. bis 15. August wird im \u201e<strong>Waldschl\u00f6sschen<\/strong>\u201c das <strong>Rheinmeisterschaftsturnier <\/strong>ausgetragen. Aber ganz zufrieden ist man dennoch nicht. Der Chronist klagt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gr\u00f6\u00dferes war geplant, aber die Unterst\u00fctzung der mit der Kulturf\u00f6rderung betrauten amtlichen Stellen blieb aus. Ja, wenn es sich um K\u00f6rpersport gehandelt h\u00e4tte! Aber nur Schach! \u2013 So hat denn die Kaiserslauterer Schachgemeinde mit alleiniger Unterst\u00fctzung durch die beteiligten Landesverb\u00e4nde die Opfer gebracht, die zur Austragung der Rheinmeisterschaft in unserer Barbarossastadt erforderlich waren. Wir begr\u00fc\u00dfen die K\u00e4mpfer im edlen Wettstreit, die alle am Rhein gelegenen deutschen Gaue von der holl\u00e4ndischen bis zur Schweizer Grenze vertreten. Kommt doch durch diese Zusammenkunft die enge Verbundenheit aller Deutschen am Rhein erneut zum Ausdruck, ungeachtet der Grenzen zwischen unbesetztem und besetztem Gebiet, zwischen Saar und Pfalz.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im folgenden Jahr traf den Schachklub ein harter Schlag. Der bedeutende, weit \u00fcber die Grenzen der Pfalz hinaus anerkannte Problemkomponist Franz Sackmann starb im besten Mannesalter. Aus dem Nachruf in der \u201ePf\u00e4lzischen Presse\u201c:<\/p>\n\n\n\n<p>Nach mehrw\u00f6chigem schweren Leiden ist Oberingenieur <strong>Franz Sackmann<\/strong> in der Nacht vom 21. auf 22. Februar erst 38 Jahre alt gestorben. Mit ihm verliert die Schachwelt einen Gro\u00dfmeister der Problemkunst, der in den zwei Dezenien seines Schaffens ganz Hervorragendes geleistet hat. Die Zahl seiner Aufgaben ist nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig gro\u00df, aber was er schuf und der Ver\u00f6ffentlichung wert erachtete, waren ausnahmslos Meisterwerke, scharf\u00a0 in der Idee, blendend in der Konstruktion, von \u00fcberraschendem, meistens ziemlich schwierigem L\u00f6sungsverlauf, kurz: vollendet nach Form und Inhalt. Daneben war er auch literarisch t\u00e4tig. Schon als 17j\u00e4hriger Student war er Mitarbeiter der Akademischen Schachbl\u00e4tter, dann redigierte er den Problemteil der S\u00fcddeutschen Schachbl\u00e4tter, des Organs des Bayerischen Schachbundes. Seine enorme Sachkenntnis machte es ihm leicht, diese schwierigen Arbeiten in musterg\u00fcltiger Weise durchzuf\u00fchren. Beruflich sehr stark in Anspruch genommen, beschr\u00e4nkte er sich sp\u00e4ter auf gelegentliche Mitarbeit, und stets war es ein Genuss f\u00fcr den Kenner, einen Aufsatz \u00fcber dieses oder jenes Problem- oder Endspielgebiet aus der Feder Franz Sackmanns zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Im Laufe der Jahre hat sich der Verewigte vielfach an in- und ausl\u00e4ndischen Problem-turnieren beteiligt und eine gro\u00dfe Zahl von Auszeichnungen erhalten. Wiederholt wurden seine Aufgaben mit ersten Preisen pr\u00e4miert, ja beim Problemturnier des Deutschen Schachbundes in Frankfurt a. M. im Jahre 1923 errang er bei sch\u00e4rfster Konkurrenz in der&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>2 -, 3 \u2013 und 4 \u2013 Z\u00fcgerabteilung je den ersten Preis. Seine hervorragenden Leistungen w\u00fcrdigte der Deutsche Schachbund im Jahre 1924 durch Verleihung der f\u00fcr besondere Verdienste geschaffenen Medaille in Mei\u00dfner Porzellan, eine Auszeichnung, die bisher nur einigen wenigen zuteil geworden ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der praktischen Partie brachte Franz Sackmann geringeres Interesse entgegen, obgleich er \u00fcber eine sehr respektable St\u00e4rke verf\u00fcgte. So besuchte er die Klubabende sehr unregelm\u00e4\u00dfig, wenn aber bei besonderen Ereignissen der Ruf an ihn erging, war er stets zur Stelle.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Pers\u00f6nlich war Franz Sackmann von liebensw\u00fcrdiger bescheidener Natur; er sprach nie von seinen gro\u00dfen Erfolgen und h\u00f6rte es auch ungern, wenn andere sie erw\u00e4hnten. So kam es, dass sogar unter den hiesigen Schachfreunden manche sich seiner gro\u00dfen Bedeutung als <strong>Problemkomponist <\/strong>nicht bewusst geworden sind.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"355\" height=\"399\" src=\"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_04_2024-02-22-11_22_52-2024-02-21_104613-PDF24-Reader.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1536\" srcset=\"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_04_2024-02-22-11_22_52-2024-02-21_104613-PDF24-Reader.jpg 355w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_04_2024-02-22-11_22_52-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-267x300.jpg 267w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_04_2024-02-22-11_22_52-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-133x150.jpg 133w\" sizes=\"auto, (max-width: 355px) 100vw, 355px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Der Verfasser hat einen oft benutzten Mechanismus gl\u00fccklich verwendet. Die klare und pr\u00e4zise Konstruktion und noch mehr der gesamte interessante L\u00f6sungsverlauf mit einem den Gesamtinhalt ideegem\u00e4\u00df einleitenden Anfangszug bringen eine pr\u00e4chtige Wirkung hervor. &#8212; Die starke Konstruktion des kunstge\u00fcbten Verfassers, die alle Hindernisse spielend zu \u00fcberwinden scheint, verdient gew\u00fcrdigt zu werden. Gegen den festsitzenden schwarzen K\u00f6nig richtet der wei\u00dfe Springer von zwei Seiten her seine Angriffe. Sch\u00fctzend halten die beiden T\u00fcrme Wacht. Der Einleitungszug wirkt wie eine Bombe schwersten Kalibers und ersch\u00fcttert zun\u00e4chst den einen in seinen Grundfesten. Helfend sprengt die Reiterei herbei, aber nun ger\u00e4t auch der andere ins Wanken. In einer anderen Fassung hat der Komponist Th6 und Sg8 durch Dh7 und Lg8 ersetzt. Doch m\u00f6chte ich der vorliegenden den Vorzug geben, weil sich die beiden Parallelspiele schon \u00e4u\u00dferlich \u00e4hnlicher sind und au\u00dferdem noch auf jeder Seite ein Bauer eingespart werden konnte. (Der Preisrichter W. M\u00fchlh\u00e4user, Rheing\u00f6nnheim)<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"810\" height=\"779\" src=\"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_05_2024-02-22-11_23_54-2024-02-21_104613-PDF24-Reader.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1538\" srcset=\"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_05_2024-02-22-11_23_54-2024-02-21_104613-PDF24-Reader.jpg 810w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_05_2024-02-22-11_23_54-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-300x289.jpg 300w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_05_2024-02-22-11_23_54-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-768x739.jpg 768w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_05_2024-02-22-11_23_54-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-150x144.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 810px) 100vw, 810px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Der Preisrichter: G. Ernst<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Partiespieler zum Abschluss noch drei weitere <strong>lehrreiche Endspiele von F. Sackmann<\/strong>. Wei\u00df zieht jeweils und gewinnt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"815\" height=\"319\" src=\"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_06_2024-02-22-11_24_35-2024-02-21_104613-PDF24-Reader.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1539\" srcset=\"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_06_2024-02-22-11_24_35-2024-02-21_104613-PDF24-Reader.jpg 815w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_06_2024-02-22-11_24_35-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-300x117.jpg 300w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_06_2024-02-22-11_24_35-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-768x301.jpg 768w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_06_2024-02-22-11_24_35-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-150x59.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 815px) 100vw, 815px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Einen H\u00f6hepunkt f\u00fcr die Lauterer Schachfreunde brachte dann wieder das Jahr 1930, als unser Klub sein 25j\u00e4hriges Bestehen feierte und sein Jubil\u00e4um mit der Ausrichtung des 8. Pf\u00e4lzischen Schachkongresses kr\u00f6nte. Man konnte auf Erfahrungen zur\u00fcckblicken, denn sechs Jahre zuvor hatte der Verein den 2. Pf\u00e4lzischen Schachkongress durchgef\u00fchrt. Und es gab Parallelen; genau wie 1924 stellte auch diesmal wieder die schlechte wirtschaftliche Gesamtlage hohe Anspr\u00fcche an die Opferfreudigkeit aller Beteiligten. Aber man wollte dennoch etwas Besonderes bieten, und so lud man <strong>Karl Ahues aus Berlin<\/strong>, den \u201eMeister von Deutschland\u201c, zur Teilnahme an diesem Turnier ein \u2013 und er kam, um den pf\u00e4lzischen Spielern Gelegenheit zu geben, \u201esich im Kampf mit ihm zu st\u00e4hlen\u201c. Auch <strong>Weltmeister Aljechin<\/strong> folgte der Einladung zu einem Simultanspiel und gestaltete die Vorstellung zu einer Demonstration seiner St\u00e4rke. An 30 Brettern verlor er nicht eine einzige Partie, nur f\u00fcnf Spielern gestattete er ein Remis. \u00dcbrigens war er, wie die Zeitung berichtet, vom Spiellokal aufs angenehmste \u00fcberrascht und erkl\u00e4rte, <strong>in einem \u201esolchen pr\u00e4chtigen Raum\u201c noch niemals Simultanveranstaltungen<\/strong> gegeben zu haben. Am fr\u00fchen Nachmittag des ersten Ostertages nahm der Weltmeister auch an einer Kranzniederlegung am Grabe des allzu fr\u00fch verstorbenen Franz Sackmann teil.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schachklub nahm die Feier seines Jubil\u00e4ums auch zum Anlass, in der Presse f\u00fcr das Schach zu werben und f\u00fcr seinen erzieherischen Wert eine Lanze zu brechen. In einem \u201eVorwort\u201c zum Kongress lesen wir in der \u201ePf\u00e4lzischen Presse\u201c \u00fcber das Schach und seinen Bildungswert:<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u201ereine Verstandespiel\u201c wird zu einem Spiel aller Kr\u00e4fte, der geistigen und der Psychischen. Temperament und Gef\u00fchl spielen ebenso mit wie die Willensst\u00e4rke, Energie, Ausdauer, Wagemut und Beherrschtheit. So wird die Schachpartie zur Ausdrucksform der Pers\u00f6nlichkeit des Spielers, sie offenbart ihm die St\u00e4rken und die Schw\u00e4chen seiner Charaktereigenschaften und spornt ihn an, die Schw\u00e4chen zu beseitigen, die Harmonie seiner Pers\u00f6nlichkeit zu vervollst\u00e4ndigen. Darin liegt der hohe Bildungswert des Schachs, der allm\u00e4hlich auch von den Schulen anerkannt und vielleicht in nicht allzu ferner Zeit sogar von der hohen Bildungsobrigkeit entdeckt wird. Dann wird man einen Reichsausschuss gr\u00fcnden, und die selbstlosen Pioniere des deutschen Schachs werden unter der Gnadensonne beh\u00f6rdlichen Wohlwollens, die dem K\u00f6rpersport so freundlich strahlt, erleichtert aufatmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Kongress kehrte der Schachalltag wieder ein, bis mit dem Jahr 1933 eine Zeit heraufkam, die auch im Schach gro\u00dfe, vor allem organisatorische Umw\u00e4lzungen brachte. Zumindest quantitativ erfuhr das <strong>Schach, nun als \u201egeistiges Wehrspiel\u201c propagiert<\/strong>, einen ziemlichen Aufschwung durch gezielte, mit betr\u00e4chtlichem Aufwand betriebene Werbung in allen Kreisen des Volkes, vor allem auch in den Jugendorganisationen. \u2013 Der bald ausbrechende zweite Weltkrieg traf das Schach allerdings wieder in \u00e4hnlicher Weise wie der erste; und mit dem v\u00f6lligen Zusammenbruch des Reiches 1945 l\u00f6sten sich schlie\u00dflich auch die letzten Reste eines organisierten Spielbetriebs auf. Erst im Jahre 1947 gestatteten die alliierten Kontrollm\u00e4chte nach und nach wieder Vereinsgr\u00fcndungen. Der Schachklub Kaiserslautern erhielt im Februar dieses Jahres die Konzession der Milit\u00e4rregierung, und nun hatten es die Schachfreunde \u2013 nat\u00fcrlich waren es zun\u00e4chst wieder die alten, wohlbekannten Namen \u2013 verst\u00e4ndlicherweise sehr eilig, den Klub zum dritten Male zum Leben zu erwecken. Am 18. Februar 1947 fand im Lokal \u201e<strong>Benderhof<\/strong>\u201c die Gr\u00fcndungsversammlung statt. Vierzehn Schachfreunde, die man nur \u00fcber den Rundfunk (!) hatte verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen, waren erschienen und w\u00e4hlten<strong> Fritz Freitag zum 1. Vorsitzenden,<\/strong> den Mann, dem es im Verein mit den Herren Guckenbiehl und Betz vor allem zu danken gewesen war, dass die Besatzungsbeh\u00f6rden ihr Plazet erteilt hatten. Nach der W\u00e4hrungsreform 1948 normalisierten sich die Verh\u00e4ltnisse allm\u00e4hlich, aber es blieb noch eine gewaltige Aufbauarbeit zu leisten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Helmut Milz<\/strong>, 1950 zum 1. Vorsitzenden gew\u00e4hlt, war einer von denen die die K\u00e4rrnerarbeit beim Wiederaufbau des Vereins leisteten. Der Schachklub nahm unter seiner F\u00fchrung einen beachtlichen Aufschwung und konnte wieder an die Zeiten alten Glanzes ankn\u00fcpfen. Viermal (1951, 1952, 1953 und 1960) wurde die <strong>1. Mannschaft mit Dr. Milz Pf\u00e4lzischer Mannschaftsmeister.<\/strong> Au\u00dferdem errang <strong>Oskar Rahn 1960 den Pfalzmeistertitel<\/strong>, Friedel Becker holte den Titel eines Pf\u00e4lzischen Jugendmeisters, und, um jenes Jahr vollends zu einem \u201eLauterer Jahr\u201c werden zu lassen, wurde <strong>Frau Lahr von der Schachabteilung des Postsportvereins auch noch Siegerin bei den pf\u00e4lzischen Damen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Dr. Milz 1965 das Amt des 1. Vorsitzenden an <strong>Walter Stegmann<\/strong> \u00fcbergab, konnte er wahrhaftig auf stolze Erfolge zur\u00fcckblicken. Seine Leistung gewinnt noch an Gewicht, wenn man bedenkt, dass er neben seiner T\u00e4tigkeit f\u00fcr den Verein \u2013 von seiner beruflichen Inanspruchnahme soll hier gar nicht erst geredet werden \u2013 auch dem\u00a0 Pf\u00e4lzischen Schachbund acht Jahre lang diente als 1. Vorsitzender.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Jahr feiert Dr. Milz seinen 60. Geburtstag. Wir w\u00fcnschen ihm, dem z. Zt. einzigen Ehrenmitglied des Klubs, alles Gute und noch viele Jahre viel Freude beim Schachspiel. Denn das Spiel pflegt er noch, wenn er ihm auch nicht mehr so viel Zeit widmen kann wie fr\u00fcher, und in der 1. Mannschaft ist er immer noch einer der Best\u00e4ndigsten, ein R\u00fcckhalt und ein Vorbild f\u00fcr die J\u00fcngeren. Auch der Pf\u00e4lzische Schachbund wird ihm, wie sein Verein, zu danken haben, nicht nur seinem ehemaligen Vorsitzenden, sondern auch dem Schatzmeister des Sportbundes Pfalz, der der Sache des Schachs stets ein verl\u00e4sslicher F\u00fcrsprecher ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Dr. Milz hat Walter Stegmann einen gro\u00dfen Teil seiner Kraft dem Schachklub gewidmet. Schon in der \u00c4ra Milz hat er sich bleibende Verdienste um den Spielbetrieb und die schachliche F\u00f6rderung des Nachwuchses erworben. Als 1. Vorsitzender hat er seine Anstrengungen in dieser Richtung nur noch vermehrt. Wenn er allerdings in den letzten Jahren auf diese seine Bem\u00fchungen zu sprechen kam, schwang in seinen Worten bisweilen auch ein Unterton von Ver\u00e4rgerung und Resignation mit, musste er doch h\u00e4ufig mitansehen, dass sein Engagement nicht den verdienten Lohn fand und dass andere ernteten, was er ges\u00e4t hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Walter Stegmann lag aber nicht nur das Wohl&nbsp; des eigenen Vereins am Herzen, er hat sich ganz allgemein immer f\u00fcr die Belange des Schachs eingesetzt und f\u00fcr seine Verbreitung und Pflege viel getan. Wenn von allen Bezirken der Pfalz der Bezirk VI heute der vereins- und mitgliederm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste ist, dann geb\u00fchrt daf\u00fcr nicht zuletzt ihm das Verdienst. Auch dem Pf\u00e4lzischen Schachbund hat er sich eine Zeitlang als 2. Vorsitzender zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als uns am Abend des 3. November 1978 die Nachricht von Walter Stegmanns pl\u00f6tzlichem Tod \u00fcberraschte, waren wir alle wie bet\u00e4ubt. In diesem Augenblick konnten wir nur dumpf ahnen, welchen Verlust der Schachklub erlitten hatte. Zwar hatte er schon einige Jahre zuvor die Leitung des Klubs abgegeben, aber er war immer der geheime Mittelpunkt geblieben, und es wurde keine Entscheidung getroffen, ohne dass zuvor sein Rat eingeholt worden war. Seit seinem Tod bleibt vor allem auch bei den Klubabenden eine L\u00fccke. Mag auch unsere gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfige unmittelbare Betroffenheit inzwischen etwas gewichen sein, die objektive Einsicht in die Gr\u00f6\u00dfe des Verlustes steht uns heute klarer als je zuvor vor Augen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"785\" height=\"816\" src=\"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_07_2024-02-22-11_25_10-2024-02-21_104613-PDF24-Reader.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1540\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_07_2024-02-22-11_25_10-2024-02-21_104613-PDF24-Reader.jpg 785w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_07_2024-02-22-11_25_10-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-289x300.jpg 289w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_07_2024-02-22-11_25_10-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-768x798.jpg 768w, https:\/\/www.sgklm.schachix.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chronik_07_2024-02-22-11_25_10-2024-02-21_104613-PDF24-Reader-144x150.jpg 144w\" sizes=\"auto, (max-width: 785px) 100vw, 785px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Wir sind nun fast schon wieder in der Gegenwart angelangt, und ein Leser, der selbst mitgeholfen hat, die Geschichte des Schachklubs Kaiserslautern zu \u201emachen\u201c, wird vielleicht entt\u00e4uscht sein; manches wird er vermissen, einiges wird ihm zu knapp, anderes zu breit dargestellt sein. Aber wir mussten eine Auswahl treffen, eine subjektive zudem, wenn wir nicht kapitulieren wollten vor der F\u00fclle des \u00fcberlieferten Stoffes, welche L\u00fccken dennoch nicht ausschlie\u00dft. Es kam uns nicht so sehr drauf an, trockene Fakten m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig darzubieten, als vielmehr etwas von der Atmosph\u00e4re zu vermitteln, die aus den vergilbten Bl\u00e4ttern einer Chronik aufstieg. Wir wollten versuchen, Vergangenheit ein ganz klein wenig wieder lebendig werden zu lassen. Am ehesten schien uns dies gelingen zu k\u00f6nnen, wenn wir dem Chronisten und den Zeitungsausschnitten, die er f\u00fcr uns gesammelt hat, m\u00f6glichst oft das Wort geben gem\u00e4\u00df dem Auftrag, mit dem er seine Aufzeichnungen beginnt:<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>DER ERINNERUNG BL\u00c4TTER SIND ZEUGE VERGANGENER TAGE,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; DARUM REDE DIES BLATT, WENN EINST DIE STIMME VERHALLT!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Schachklub Kaiserslautern tritt nun in das letzte Viertel seines ersten Jahrhunderts. Er durchschreitet zur Zeit ein Wellental, wenn man seinen Zustand an dem vergangener Zeiten misst, aber er bem\u00fcht sich wieder nach oben zu kommen. Das ist nicht einfach, und R\u00fcckschl\u00e4ge sind immer einzukalkulieren. Wenn uns der Blick in die Vergangenheit etwas lehren kann, dann auch dies, dass der Wellenschlag der Gezeiten nicht nur von unserem pers\u00f6nlichen Tun und Wollen abh\u00e4ngt. Das soll uns nicht fatalistisch stimmen, was wir selbst tun k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir schon tun. Aber es kann uns ein St\u00fcckchen hin zu der Gelassenheit eines Karl Eckart, des ersten Begr\u00fcnders unseres Vereins, bringen, der das Schachspiel um seiner selbst willen spielte, ohne allzu oft auf die Tabelle zu sehen.<em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erstellt von Wilhelm M\u00fcller, bis zu seiner Pensionierung Studiendirektor am Hohenstaufen Gymnasium Kaiserslautern, geboren am 12.01.1926, gestorben am 14.06.1998, Vereinsmitglied seit dem 08.04.1969. Im \u00dcbrigen Vorg\u00e4nger von Helmut H\u00fcrter als Leiter der Schach-AG am Hohenstaufen Gymnasium, wo beide kurzzeitig gemeinsam Lehrer waren. 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